Ponytrekking Lesotho

Mein letztes Wochenende war wohl eines der beeindruckendsten bis jetzt überhaupt. Ich weiß es hört sich komisch an, aber wenn man viele unterschiedliche Dinge unternimmt hat jedes wieder seinen ganz besonderen Reiz – man kann ein Trekking mit Pferden eben auch einfach nicht mit einem paradiesischen Strand in Mozambique oder einer Safari in den Game Reserves vergleichen.

Lesotho_ 10.JPG Es war einfach der Gesamteindruck, die herrliche Kulisse der Drakensberge, mit der wohl so leicht kein anderes Gebirge mithalten kann, dann die Tatsache, dass wir auf Pferden unterwegs waren, was dem ganzen einen besonders abenteuerlichen Touch gegeben hat und natürlich ganz besonders, dass ich mit Leuten unterwegs war, die ich zum Grossteil vorher nicht kannte, und trotz der Größe unserer Gruppe (14 Leute) alles reibungslos ablief! Lesotho_ 07.JPG

Aber ich werde besser mal ganz von vorne anfangen:
Freitagmittag haben mich die andren bei Siemens abgeholt. Sachen verladen, tanken und los ging’s Richtung Süden.
Die Fahrt führt uns durch einsame Gegenden, an herrlicher Landschaft vorbei und natürlich auch wieder an einigen Townships.
Weiter geht’s, langsam wird es dunkel, wir erleben einen herrlichen Sonnenuntergang über den Drakensbergen und langsam geht der Mond auf, ich habe noch nie so deutlich den 3D-Effekt gesehen wie hier! Letzter Zwischenstopp zum Tanken in Ladybrand. Es ist bereits dunkel. Uns ist schon etwas mulmig, aber wir sind ja zu fünft. Wir fahren die ganze Zeit durch unbewohnte Gegenden, zumindest ist kein Licht jenseits der Strassen zu sehen. Weiter geht es in Richtung Maseru, Hauptstadt von Lesotho und unser Grenzübergang. Wir fahren auf einer Landstrasse ohne Straßenpfosten, ohne Leitplanke. Auf den Autobahnen hier gibt es sogar oft keine Leitplanke zwischen den Fahrbahnen, sondern nur kleine Blinklichter, die am Boden befestigt sind.
Schreckmoment als wir auf einmal einen LKW rechts am Straßenrand stehen sehen der seine Cola Ladung verloren hat. Dazwischen lauter Splitter und Scherben auf der Strasse. Aber die Polizei ist schon da, daher fahren wir langsam vorbei. Wir halten nicht an, da es zu gefährlich ist.
An der Grenze angekommen, müssen wir mit unserem Auto eine Schranke passieren. Wir kommen uns vor, als ob wir auf einen Parkplatz fahren “Please press button for ticket”. Das komische ist nur, dass 10 m danach wieder eine Schranke kommt, wo man sein Ticket wieder reinstecken muss. Vorher muss natürlich das Ticket bezahlt werden und das alles um durch zwei Schranken endlich zur Grenze zu gelangen.
Und wieder dasselbe, Ausreise aus Südafrika, Einreise in Lesotho, dabei bekommen wir fleißige Unterstützung von ein paar Kindern, die uns unsere Formulare für etwas Geld ausfüllen möchten. Geschafft, erfolgreich die Ausreiseprozedur aus Südafrika und die Einreise in Lesoto über die Bühne gebracht.
Trotz Dunkelheit finden wir unseren Weg ziemlich gut. Es geht über geteerte Strassen und nur das letzte Stück ist wirklich ein schlechter Feldweg, den wir schon für die gesamte Strecke erwartet hatten. Nachts um 22:30 erreichen wir endlich unser Ziel, die „Malealea Lodge“. Der Wärter, ein Schwarzer, nimmt uns in Empfang und führt uns, nachdem er sich zu uns ins Auto gequetscht hat, zu unseren Hütten.
Unsere zwei Hütten sind im Stil der runden Lehmhütten, die in den Bergen hier üblich sind, gebaut. Wir packen unseren Schlafsack aus und warten auf die anderen beiden Autos mit dem Rest der Gruppe. Danach sitzen wir noch gemütlich bei Kerzenschein (elektrisches Licht gibt es nicht) bis 2 Uhr zusammen. Die Nacht ist wärmer als erwartet, dennoch bin ich froh, meinen Fleecepulli dabei zu haben!

Am nächsten Morgen machen wir uns fertig, packen unsere Sachen in große Satteltaschen und dann geht’s los zu unseren Pferden. Nachdem jeder ein Pferd zugeteilt bekommen hat, besteigen wir unsere Pferde, bepacken das Packpferd und reiten mit unseren Führern los. Lesotho_ 04.jpg
Die Landschaft hat bei Tage das im hohen Maß übertroffen, was wir nachts vermutet hatten. Lesotho_ 05.JPG Die Berge sind unbeschreiblich schön, sie überragen das ganze Gebiet. Ganz besonders schön ist die Terassenstruktur der Berge. Lesotho_ 08.jpg
Die Pferde laufen gemütlich vor sich hin, jeder ist erstmal damit beschäftigt, sich mit seinem neuen Kameraden vertraut zu machen, aber anfangs machen die Pferde was sie wollen. Mit der Zeit finden wir aber heraus, wie wir sie zumindest zu einem kurzen Trab überreden können. Plötzlich liegt ein Canyon vor uns. Gar nicht nachdenken einfach dem Führer hinterher. Die Pferde sind sehr sicher, sie kennen ihren Weg. Unten angekommen geht es durch einen kleinen Fluss, wo Karstens Pferd etwas stolpert, was jedoch zum Glück nur zu nassen Füßen und einigem schallenden Gelaechter führt. Dann auf der anderen Seite wieder den Canyon hinauf. Es ist wirklich sehr steil, überall Geröll. Lesotho_ 02.JPG
Dafür erwartet uns oben wieder ein herrlicher Ausblick, außerdem reiten wir durch ein Dorf, wo die Kinder am Straßenrand stehen und rufen “Sweets, Sweets”. An diesen Anblick der kleinen schmutzigen, in teilweise alte Klamotten eingehüllten Kinder müssen wir uns in diesen zwei Tagen gewöhnen! Es ist traurig, aber wir können es nicht ändern. Das ist das einzige, was mich an diesem Ritt etwas nachdenklich macht. Lesotho_ 13.JPG
Mit dem Wetter haben wir wahnsinniges Glück gehabt, trotz der Höhe kann man im T-Shirt reiten und es ist immer noch zu warm! Der Wind täuscht jedoch etwas über die Kraft der Sonne hinweg, dieser Tatsache hat ein Grossteil abends einen kräftigen Sonnenbrand zu verdanken. Lesotho_ 15.JPG
Nach ca. 7 Stunden Ritt und einer herrlichen Mittagspause kommen wir gegen 15 Uhr in einem kleinen Bergdorf an, dass oben auf einem Hügel liegt. Auch hier das gleiche Bild. Lesotho_ 12.JPG Lehmhütten, kleine süße Kinder ohne Schuhe. Wir bekommen 3 Lehmhütten zugewiesen, in der wir mit Matten und Schlafsack auf dem Boden übernachten werden. Lesotho_ 09.JPG
Alle nehmen trotz Erschöpfung noch die Gelegenheit wahr, mit einem Führer aus dem Dorf den nahe gelegenen Wasserfall zu besuchen. Wir kraxeln eine Stunde über Trampelpfade und über steile Felsen, die nicht gesichert sind, zum Wasserfall. Lesotho_ 03.JPG Ein wunderschöner, hoher Wasserfall tut sich vor uns auf, als wir um die letzte Biegung kommen.  Direkt unter dem Wasserfall lag ein kleines Wasserbecken und dort erwarteten uns 2 herrliche Regenbögen, schade, dass wir keine Badesachen mit hatten, nach dem staubigen Tag und keiner weiteren Waschmöglichkeit, wäre das eine herrliche Abkühlung gewesen. Aber auch so genießen wir es, im Wasserstaub des Wasserfalls zu stehen.
Abends wird dann erstmal in unserer Gemeinschaftshütte für 10 Leute Spagetti gekocht, wie hungrige Löwen schleichen wir um die Töpfe. Endlich fertig, alle stürzen sich auf das warme Essen. Die Stärkung haben wir alle gebraucht und uns nach diesem Tag auch wirklich verdient!
Danach sitzen wir noch gemütlich beisammen und genießen den Abend.
Später machen wir noch eine Runde durchs Dorf, wir sehen uns den herrlichen Sternenhimmel an und können unser Glück kaum fassen. An diesem Abend habe ich 7 Sternschnuppen gesehen, mal schauen ob alle Wünsche in Erfüllung gehen!
Nach einer kurzen vergeblichen Unterhaltung mit den Kindern im Dorf, die leider kein Englisch sprechen, kriechen wir in unsere Schlafsaecke. Die Nacht ist herrlich, alle dicken Klamotten waren vollkommen überflüssig, aber das kann man ja nicht ahnen!
Früh um 7 Uhr werden wir geweckt. Nach einer Katzenwäsche über einem Wassereimer geht es um 8 Uhr wieder los. Die Pferde sind heute noch stürmischer als gestern. Sie merken wohl dass es nach Hause geht. Wir sind sehr flott unterwegs! Hike, hike! Und das geht die ganze Zeit so! Bald tut mir alles weh, aber die Pferde laufen und laufen! Lesotho_ 11.jpg
Ich persönlich bin sehr froh, als wir gegen Mittag wieder an der Lodge waren. Es war ein wunderschönes Wochenende, aber mir tun alle Knochen weh. Das einzige, was jetzt noch hilft, ist eine schöne heiße Dusche. Trotz aller Strapazen kann ich nur sagen, die Tour war der helle Wahnsinn, man kann es nicht beschreiben, das muss man erlebt haben! Lesotho_ 14.JPG

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