Jetzt kann es also endlich losgehen! Und in den ersten Tagen nach meiner Ankunft wurde es mir auch wirklich nicht langweilig!
Da ich nun nicht mehr lediglich als Touristin im Land bin, ist der erste Schritt sich um eine Aufenthaltsgenehmigung zu kuemmern – die sogenannte N.I.E. – Nummer zu beantragen.
Dafuer muss man in Madrid zur Polizei gehen, wo man die N.I.E. beantragen kann. Allerdings waren meine Mitbewohnerin Inka und ich nicht die Einzigen, die eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen wollten. In Spanien gibt es jede Menge Immigranten, die besonders aus Lateinamerika aus wirtschaftlichen und politischen Gruenden ins Land stroemen. Dementsprechend lang war dann auch die Schlagen vor der Polizei…wir waren ja schon vorgewarnt worden, dass unter 2-3 Stunden Wartezeit nichts zu machen sei. Wir hatten dann grosses Glueck und wurden vorgelassen, da es unterschiedliche Verfahren gibt fuer Einreisende aus der EU. Dann ging alles ganz schnell, da Inka sich zum Glueck schon vorher erkundigt hatte und wir somit ausgefuelltes Formular, Arbeitsbestaetigung, Ausweiskopien und Foto dabei hatten und danach hiess es dann nur noch warten…
Der naechste Schritt war die Eroeffnung eines Bankkontos fuer Miete, Telefon, Strom und alles weitere was waehrend einem Jahr so anfaellt. Wir dachten uns, da wir ja beide in Deutschland schon bei der Citibank sind, machen wir hier der Einfachkeit halber auch hier ein Konto beider Citibank in Spanien auf. Das hat sich allerdings ebenfalls als nicht so einfach herausgestellt, wie wir dachten. Obwohl Inka bereits einmal da war, wurden wir auch beim zweiten Versuch unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt, da es nicht ausreichend ist sich mit einem Dokument auszuweisen, nein, es werden Personalausweis UND Reisepass benoetigt! Aber bis uns das erstmal kommuniziert wurde hat es einige Zeit gedauert!
Beim zweiten bzw. dritten Anlauf hat das Ganze dann aber auch geklappt.
Das naechste Thema war die Wohnungseinrichtung: Die meisten Moebel und Einrichtungsgegenstaende waren zwar vorhanden, allerdings mussten wir alle Gebrauchsgegenstaende selber besorgen.
Also haben wir uns aufgemacht zum Ikea Einkauf. Allerdings haben wir dazu gelernt: Gehe nie zu Ikea ohne Auto, um all die herrlichen Einkaeufe nach hause zu transportieren!!! Denn mit Bus, Zug und Metro ist es fast nicht moeglich ohne groessere Strapazen das Ergebnis eines Ikea Einkaufrausches abzutransportieren.
Aber es fehlten nicht nur Kuechenutensilien und Bettdecken, nein weiter ging es dann mit Telefon, Radio, Buegeleisen und was man sonst noch so braucht!
Unsere Waesche haben wir zuerst im Hof aufgehaengt, das ist auch eine wirklich tolle Sache hier in Spanien, in den Innenhoefen sind Waescheleinen aufgehaengt, die man dann am Fenster vorbeiziehen kann, um Waesche auf- bzw. abzuhaengen.
Diese Leinen koennen auch ganz unangenehm quietschen, wenn sie nicht geoelt werden, was besonders – verursacht durch den unterschiedlichen Lebensrythmus der Spanier – nachts um halb eins eine ziemlich unangenehme Ueberraschung sein kann. Ich habe wirklich lange gebraucht, was dieses Phaenomen ist, das immer nachts um halb eins in regelmaessigen Abstaenden ein haesslich quietschendes Geraeusch verursacht – bis ich herausgefunden habe, dass anscheinend immer um diese Zeit eine unserer Nachbarinnen ihre Waesche auf- und abhaengt.
Das ist allerdings nur die eine Variante den Innenhof zu nutzen, andere nutzen besonders nachts momentan noch das Fensterbrett als Kuehlschrank – mal sehen ob dann im Sommer auf den Fensterbrettern Spiegeleier gebraten werden…
Der unterschiedliche Lebensrythmus macht sich auch tatsaechlich noch an ganz anderen Stellen besonders im Alltag bemerkbar.
Die Spanier fruehstuecken nicht, nein, sie trinken hoechstens einen Kaffee und essen ein paar Galletas (Kekse) dazu oder allenfalls einCroissant.
Die beruehmten “Churros con Chocolate” kommen erst am Wochenende nach einer durchzechten nacht zum Einsatz!
Auch die Arbeitszeiten unterscheiden sich stark, es gibt zwar viele Spanier, die bereits vor 8 Uhr im Buero sind, allerdings kann man einen deutlichen Anstieg der auf die Metro wartenden Madrilenen beobachten, je nachdem ob man um 7 Uhr oder nur eine Stunde spaeter das Haus verlaesst!
Wer die ueblichen Mittagszeiten besonders bei Siemens in Deutschland gewohnt ist, wo ein “Mahlzeit” ja bereits ab 11 Uhr nichts ungewohnliches ist, wird hier in Spanien spaetestens ab 13 Uhr mit knurrendem Magen dasitzen und darauf warten wann es denn endlich zum Essen geht.
Normalerweise wird das naemlich nicht vor 13-14 Uhr geschehen. Daran musste auch ich mich erstmal gewoehnen!
Diese spaeten Essenszeiten setzen sich dann bei den Spaniern tatsaechlich bin zum Abendessen fort. Da die meisten nicht vor 21 Uhrnach hause kommen, ging bei unseren Nachbarn erst ab halb zehn das Klappern mit Toepfen und Pfannen und das Brutzeln beim Anbraten des Essens – hier wird naemlich alles in jeder Menge Olivenoel angebraten was sich dann ganz besondere am sich über den Innenhof aus den geöffneten Fenstern verbreitenden Geruch bemerkbar macht! – los und die Essensgerueche verbreiten sich durch das ganze Haus. Je nachdem was gekocht wird riecht es dann entweder ganz hervorragend, oder wir beeilen und so schnell wie moeglich alle Fenster und Tueren zuschliessen!
Um 23 Uhr wird dann wieder gemutlich mit Geschirr geklappert, wenn man sich langsam an den Abwasch begibt.
Danach kann man dann die Fernsehgewohnheiten der Nachbarnmitverfolgen, da zum einen die meisten Filme erst gegen Mitternachtbeginnen und zum anderen die Spanier alles in wahnsinniger Lautstaerketun und die Fenster immer weit geoeffnet sind.
So bekommen wir also immer alles bestens mit, ob unser Nachbargerade wieder eine Opern Arie singt, ein anderer Nachbar Gitarre uebt, unsere schwerhoerige Nachbarin mit ihrer – anscheinen ebenfalls schwerhoerigen Freundin – telefoniert oder sich das Paerchen im Nachbarhaus wieder so streitet, dass die Tueren fliegen und man nur darauf wartet dass gleich die Koffer vor der Tuer stehen, was aber erstaunlicherweise immer noch nicht passiert ist, was wird an den beinahe taeglich erneuten Streitereien genaustens mit verfolgen koennen…
Hier geht das Leben eben abends erst so richtig los!
Das merkt man auch beim Weggehen: Versucht man in einem Restaurant vor 21 Uhr zu abend zu essen wird man verstaendnislos angesehen.
Geht man dann doch vor 21 Uhr in eine Bar, wird man dort von gaehnender Leere empfangen und erst im Laufe der naechsten Stunde fuellt sich der Raum langsam.
Ist aber auch ganz klar, dadurch, dass die Spanier so lange arbeiten, haben die Geschaefte dementsprechend auch bis 21 -22 Uhr auf, man geht nach der Arbeit noch einkaufen und wenn die Geschaefte schliessen sucht man sich ein nettes Platzchen um zu abend zu essen oder gemuetlich noch etwas zu trinken, wozu dann die bekannten Tapas gereicht werden.
So zieht man dann auch an den Wochenenden gemuetlich durch die Bars, die sich in einigen Strassen ohne Ende aneinanderreihen und isst und trinkt gemuetlich, denn vor 2 – 3 Uhr braucht man in keine Disco und in keinen Club zu gehen, da dann eh noch nichts los ist.
Geht man dann allerdings los, bleibt man auch bis zum Morgengrauen wo man dann gemeinsam noch “Chocolate con Churros” zu sich nimmt, bevor man sich auf den Heimweg macht…
Ich finde diesen Lebensrythmus eigentlich ganz angenehm, wenn es auch seine Zeit dauert sich daran zu gewohnen!
An den Wochenenden haben wir meist erledigt was sich unter der Woche so alles angestaut hat: Einkaufen, Waschen, Putzen, …
Neben all diesen unerfreulichen Dingen gab es dann aber auch immerdie schoenen Seiten: Ausschlafen, gemuetliches Fruehstueck, was dann das ein oder andere Mal eher zum Brunch wurde…lange Spaziergaenge, Shoppen (was man besonder bei uns vor der Haustuer in Salamanca leider nur allzugut kann!), Kaffe trinken gehen – z.B. bei einem der unzaehligen Starbucks, von denen einer noch vor Weihnachten gleich bei uns um die Ecke eroeffnet hat -, im Park in der Sonne liegen – der schoenste Park (der Retiro) liegt zum Glueck auch gleich bei uns um die Ecke und natuerlich Madrid und Umgebung erkunden! Ausfluege habe ich meistens mit meinem Besuch unternommen und so gemeinsam die herrlichen Ziele in Madrids direkter Umgebung kennengelernt!
Leider waren die Tage dennoch immer einfach VIEL zu kurz. Das lag aber auch einfach daran, dass ich in der Winterzeit hier ankam und es einfach schon sehr frueh dunkel wurde.
Wobei auch die Vorweihnachtszeit in Madrid wunderschoen war! Besonders in der Advendtszeit als in Salamanca alle Strassen beleuchtet wurden und von allen Seiten herrliche Gerueche aus den Panaderias und Cafeterias stroemten…
Was den Spaniern anscheinend auch gaenzlich unbekannt ist, ist dasThema “Backen”. Als ich zu Weihnachten Plaetzchen gebacken habe und mit ins Buero gebracht habe, haben sich zwar alle gerfreut, aber keiner konnte glauben, dass ich die Plaetzchen selber gemacht habe und ausserdem wurde ich aufgeklaert gaebe es diese doch zu kaufen…da bin ich ja mal gespannt was passiert wenn ich Ostern anfange Ostereier zu faerben!!! Wir werden es sehen!
Auf jeden Fall freue ich mich hier zu sein all diese Erfahrungen machen zu duerfen!