Die Wasserspiele, die die Garten- und Palastanlagen des 11 km sued-oestlich von “Segovia“ gelegenen “La Granja de San Ildefonso” beruehmt machten, werden oft mit denen von Versailles verglichen. Allerdings sollen die spanischen Wasserspiele doch tatsaechlich noch spektakulaerer geworden sein, als die des Vorbildes in Frankreich. Auch landschaftlich soll “La Granja“, das inmitten der schroffen Berge der Sierra de Guaderrama liegt, noch hundertmal schoener gelegen sein, als Versailles im flachen Pariser Becken. Dies alles hatte ich in einem Artikel ueber “La Granja“ in der Zeitung “Die Zeit“ gefunden, der Titel war:
„Vergiss Versailles – denn La Granja ist schoener“
Davon wollten wir uns dann natuerlich persoenlich ueberzeugen.
Als ich das letzte Mal nach Segovia gefahren bin bin ich mit dem Zug genommen. Da wir heute aber noch weiter fahren mussten, haben wir direkt den Bus von der Avda. de la Florida aus genommen.
Alleine schon die Fahrt war herrlich, wir konnten strahlend blauen Himmel und Sonne geniessen. Es ging in Richtung Nordwesten hinaus aus Madrid, durchs Gruene, vorbei an “El Escorial“ und dem “Valle de los Caidos“.
Dann waren wir auch ziemlich schnell in “SEGOVIA“, vorbei am “Aquaeduk“t ging es zum Busbahnhof wo wir umsteigen mussten.
Die letzten 11 km von Segovia in Richtung Sued-Osten bis “La Granja de San Ildefonso“ verging wie im Flug und schon waren wir da.
Als wir dann nach einem langen Streifzug durch die engen Gaesschen der Altstadt von “San Ildefonso“ die Allee, die zum Schloss fuehrt, hinaufliefen, konnte man erahnen, was die Autorin mit dem Titel ihres Berichtes ueber “La Granja“ ausdruecken wollte.
Auch wenn “Versailles“ Vorbild fuer dieses Jagdschloss war, dass sich Felipe V. Bauen liess, sind die Wasserspiele wohl spektakulaerer geworden und auch der riesige Park ist mit seinen 140 Hektar fast ein Drittel groesser als das franzoesische Vorbild. Da wird die Tatsache unwesentlich, dass der Palast an sich eher klein und beinahe unscheinbar ist.
Zuerst haben wir also den riesigen Garten erkundet. Neben dem perfekt gepflegten inneren Bereich gibt es in den Aussenbezirken des Parks doch tatsaechlich noch vollkommen naturbelassene Fleckchen, in denen Graeser und Baeume so wachsen und wuchern koennen wir sie wollen – herrlich!
Ausserdem hat sich Felipe einen Irrgarten anlegen lassen, aus dem es, wie wir nach einigen Runden feststellen mussten, tatsaechlich nicht so leicht ist wieder herauszufinden!
Auch der Fussmarsch einen steile Anhoehe hinauf bis zum noerdlichsten Ende des Parkes lohnt sich: hier liegt an einem kleinen Waeldchen zu den Fuessen der Sierra de Guaderrama ein herrlicher kleiner See, in dem sich die schneebedeckten Berge und Baeume spiegeln.
Nachdem wir den Park also bis ins letzte Winkelchen durchforstet hatten und auch beinahe fuer uns alleine hatten, wurde es endlich Zeit uns aufzumachen, denn die Wasserspiele sollten bald beginnen.
Jedes Wochenende um 17:30 Uhr werden naemlich in einem bestimmten Rythmus vier der praechtigen Brunnen fuer die Wasserspiele der Reihe nach in Betrieb genommen.
Als wir am ersten Brunnen ankamen konnten wir unseren Augen nicht trauen: vorbei war es mit der Idylle, die wir vorher genossen hatten. Menschenmassen bewegten sich in Richtung des Brunnens, wir konnten uns nicht erklaeren wo all die Menschen ploetzlich herkamen, es muessen wirklich reisebusweise Touristen zu den Wasserspielen nach “La Granja“ gebracht werden.
Es gibt auch einen strengen Zeitplan fuer die Wasserspiele. Alles steht gespannt um den Brunnen herum und wartet auf den ersten Wasserstrahl. Zuerst hoert man nur ein Gurgeln, dann ein zaghaftes Plaetschern und dann schiesst ploetzlich der erste Strahl aus dem Maul eines Bronzefisches. Dann wird das Spektakel immer toller, zuerst werden die Fontaenen einfach immer hoeher, dann ploetzlich beginnen sie jedoch ueber den Brunnen hinaus zu schiessen und alle Umstehenden, die nicht rechtzeitig das Weite gesucht haben, zu berieseln.
Bei den Temperaturen vielleicht dennoch noch ein bisschen frisch, aber im Sommer sicher das Angenehmste, was man sich vorstellen kann!
Aber auch so sind die Wasserspiele absolut sehenswert: es kommt einem vor als wuerden mit dem ersten Schwall ploetzlich die Tiere und Bronzefiguren aus ihrem Schlaf erwachen. Dann springen und tanzen und spielen sie mit dem Wasser.
Jeweils nach 5-10 Minuten ertoent ein Pfiff, das Wasser hoert auf zu fliessen, der Zauber ist vorbei, nur noch die Wasserpfuetzen erinnern an das Spektakel und die Menschenmassen folgen dem Parkwaechter und seiner spanischen Fahne mit deren Hilfe er die Zuschauer zum naechsten Brunnen lotst an dem das Schauspiel weitergeht.
Absolut sehenswert!