Die Reise nach Sevilla ging los im Bus von Mendéz Alvaro in Richtung Sueden, vorbei an Córdoba durch Andalusien bis wir mittags in Sevilla ankamen.
Sevilla hat eine gewaltige Geschichte vorzuweisen, die sich in der vielgestaltigen Architektur manifestiert. Dies hat wohl auch die Literaten und Musiker inspiriert, sei es „Carmen“ von Bizet, Rossinis „Barbier von Sevilla“ oder „Don Giovanni“ und „Figaros Hochzeit“ von Mozart. Sevilla wurde romantische Kulisse dieser Werke, allerdings bietet die facettenreiche Stadt viel mehr und hat die verschiedensten Gesichter.
Ein Merkmal sind die Farben, die in der Stadt auftauchen, das was wir muehsam versuchen in Blumentoepfen zu zuechten, prangt in den kleinen verwinkelten Gaesschen der Viertel „Santa Cruz“ oder „Triana“ prachtvoll an den Haeuserfassaden.
Auch die Lebenslust der Sevillanos ist ansteckend, es herrscht zwar ein reges Treiben, aber nicht umsonst ist Sevilla die moderne Metropole des spanischen Suedens. Auch wenn die Hauptstadt Andalusiens zu einem Touristen-Anziehungspunkt geworden ist, hat sie sich dennoch ihren ganz eigenen Charme bewahrt.
In Sevilla angekommen, haben wir uns erstmal am Fluss aufgemacht ins Stadtzentrum, das auf dessen linker, oestlicher Seite liegt. Es ging durch die Haupteinkaufsstrasse, die Calle Serpies, die allerdings um die Mittagszeit leergefegt war.
Schon von weitem kann man die Kathedrale oder besser gesagt deren Turm, die „Giralda“ sehen. Die Kathedrale liegt im Herzen Sevillas und ist zentraler Anziehungspunkt der Stadt. Sie ist die drittgroesste Kathedrale der Welt nach dem “Petersdom” in Rom und der “Saint Paul´s Cathedral” in London, ausserdem das erste grosse gotische Bauwerk Sevillas. Die Kathedrale wurde wie viele andere Kirchen in Andalusien auch, ueber dem Fundament einer Moschee errichtet. Diese war eine der groessten Moscheen der islamischen Welt. Aber der Standort hat eine noch laengere Geschichte, bereits die Roemer errichteten hier einen Tempel. Die Kathedrale wurde im 15. Jh. Errichtet, nachdem die Reste der ehemaligen Moschee nach einem Erdbeben langsam zerfielen.
Das sollte man sich nicht entgehen lassen und die Besichtung – unter anderem des Grabdenkmals des Kolumbus, sowie das Erklimmen des Turmes und die darauffolgende Aussicht – sind absolut lohnenswert!
Danach haben wir im Orangenhof, der ehemals Vorhof der Moschee war, eine kleine Pause gemacht. Von hier konnte man den herrlichen Blick auf die Giralda – das ehemalige Minarett der Moschee und heutiger Glockenturm der Kathedrale – geniessen.
Weiter ging es vorbei am „Alcázar“, der auf den ersten Blick wie ein maerchenhafter Palast aus maurischer Zeit erscheint, in das noerdlich liegende „Barrio Santa Cruz“. Das ehemalige Judenviertelbezaubert besonders durch seine kleinen Gaesschen, Innenhoefe und farbigen Haeuserfassaden mit ihrer Blumenpracht.
Von hier aus sind wir dann durch das Gelaende der Weltausstellung von 1929 gezogen. Hier gibt es einen riesigen Park, den „Parque María Luisa“, an den die Universitaet Sevillas grenzt. Wo heutige Studenten fleissig bueffeln, wurden einst muehselig Zigarren gedreht, von Haenden der Sevillaner Frauen fuer die Maennerwelt, die auch gleichzeitig hier wohnten. Diese Tabakfabrik ist auch Schauplatz der Oper „Carmen“.
Am Weltausstellungsgelaende liegt auch die „Plaza de Espana“, ein halbkreisfoermiger Platz an dem unter anderem das spanische Militaer und oeffentliche Einrichtungen untergebracht sind.
Mehr und mehr wurde nun auch auffaellig, dass wir uns zur Zeit der „Feria“ in Sevilla befanden. Wohin man auch sah, Frauen in herrlichsten Kleidern, die in Kutschen zum Festgelaende unterwegs waren. Ein wunderschoener Anblick!
Auch wir haben uns dann aufgemacht zur Feria, je naeher wir kamen umso mehr herrlich gekleidete Maedchen und Frauen kamen uns entgegen, sowie Caballeros zu Pferde.
Die Feria selber erinnert an unser Oktoberfest. Allerdings mit vielen kleinen Zelten, die alle Privatleuten gehoeren. Reiche Sevillaner mieten ein Zelt und verteilen Einladungen. Nur mit diesen Einladungen kann man die Zelte betreten.
Drinnen wird froehlich gegessen und getrunken und dann natuerlich auch gesungen und getanzt. Hier heisst der bekannte Flamenco dann „Sevillana“.
Alles in alleme in sehr froehliches Fest, allerdings auch wahnsinnig trubelig und besonders in einem der oeffentlich zugaenglichen Zelte in dem wir ein kleines Sherry-Paeuschen eingelegt haben fuehlt man sich wie im Zelt eines deutschen Volksfestes, nur mit Flamenco Kleidern statt Dirndls, spanischer Musik statt deutscher Volksmusik und Sherry statt Bier (der auch in Litereimern ausgeschenkt wird). Ein lustiges Spektakel.
Wir haben uns dann aber in das westlich des Flusses „Guadalquivir“ gelegene Viertel „Triana“ aufgemacht und den abend romantisch am Flussufer ausklingen lassen…