Die nächste Reise in eine bisher von mir noch komplett unbereiste Ecke Spaniens, ging in den Nord-Westen Spaniens, zum Ende des Jakobsweges und ans westlichste Ende Spaniens. Ziel war: “Santiago de Compostela” am Tag des heiligen Jakobus zu erreichen, zu dessen Ehren jährlich ein grosses Fest stattfindet.
Früh morgens ging es los, da es einige interessante Abstecher auf unserem Weg gab, mit denen wir die Fahrt etwas abwechslungsreicher gestalten wollten, ganz nach dem Motto: “Der Weg ist das Ziel”
Erster Abstecher war die alte Königsstadt León. Hier haben wir eine quirlige aber doch auch gemütliche Stadt entdeckt, mit hochinteressanten Bauwerken, wie der gotischen Kathedrale “Santa María de la Regla”.
Es gibt hier schön aufbereitete Flanierzonen und in den verwinkelten Gässchen der Altstadt dem sogenannten “Barrio Humido” (Feuchtes Viertel) kommt sicherlich auch das Ausgehvergnügen nicht zu kurz!
Allerdings ist die Stadt für ihren konservativen Charakter bekannt, nachdem sie sich zu Beginn des Bürgerkrieges direkt auf die Seite Francos stellte.
Den nächsten Zwischenstopp haben wir in Astorga, einer alten Römersiedlung und heute Pilgerstation, eingelegt. Früher fungierte Astorga bereits als bedeutender Schnittpunkt von Handels- und Heeresstraßen und liegt an der “Silberroute”. In der folgenden Zeit stieg sie auf zur Bischofsstadt und einer immens wichtigen Stadtion am Jakobsweg.
Auch wenn Glanz und Bedeutung bereits etwas verblasst sind, beeindruckt die Dreier-Komposition aus auf die Römer zurückgehender Stadtmauer, den durch den spanischen Jugendstilarchitekten Antoni Gaudi entworfenen Erzbischöflichen Palast und die Kathedrale “Santa María”.
Von Astorga aus ging es auf dem Weg nach Ponferrada auf dem Jakobsweg durch die herrliche Bergwelt. Hier erwartete uns schon nach wenigen Kilometern das Dorf “Castrillo de los Polvazare“. Durch das “rote Dorf”, das wohl urigste, dass ich bis jetzt in Spanien gesehen habe, führt ein langgestreckter, unförmiger Pflasterweg vorbei an rustikalen Steinbauten, den man nur zu Fuß begehen darf.
Und dann kamen wir am “Cruz de Ferro” an, ein kleines auf einem meterhohen Baumstamm sitzendes Kreuz. Der Baumstamm wiederum sitzt auf einem gigantischen Steinhaufen, auf diesem jeder Pilger seinen eigenen Stein oder ein anderes Mitbringsel ablegt.
Am Spätnachmittag haben wir “Ponferrada” erreicht. Hier errichteten die Tempelritter im Mittelalter zum Schutz der Jabospilger eine gewaltige Burg. Dieses Kastell der Tempelritter ist Besuchsziel Nr. 1 und wirklich beeindruckend am Rande der Altstadt auf einem Schieferplateau gelegen.
Dann lag nur noch “Ourense”, die Stadt der Brücken, wie ich sie getauft habe, auf unserem Weg.
Gegen abend haben wir dann auch endlich unser Ziel erreicht. Pünktlich zur Feier des Abends vor dem berühmten Jakobustages, der mit großem Feuerwerk eingeleitet wird, fuhren auch wir in die Stadt ein.
Allerdings waren wir wohl nicht die einzigen, die auf diese Idee gekommen waren.
Alle Parkhäuser bzw. Parkmöglichkeiten in der ganzen Stadt waren belegt, Massen strömten zum Festplatz und der Kathedrale gegenüberliegenden Park, von dem aus das Feuerwerk am besten zu sehen sein würde.
Wir haben also ersteinmal unser Hostal aufgesucht, ein wunderschönes mitten in der Altstadt gelegenes Haus, mit herrlichem Garten, der als eine Art “Biergarten” genutzt wurde.
Nach dem Einchecken haben wir dann nach ewigem suchen am Rande der Stadt ein Plätzchen für unser Auto gefunden und uns ebenfalls auf den Weg in Richtung Festplatz gemacht.
Gerade als wir angekommen waren ging das Feuerwerk los. Und das war nicht irgendein Feuerwerk, wie ich zuerst befürchtet hatte. Nein, dies war wirklich etwas besonderes! Die Kathedrale wurde komplett eingebunden in dieses Spektakel aus Lichterspielen und abschliessendem Feuerwerk bis Punkt Mitternacht.
Danach war die ganze Stadt nur noch am Feiern und wir mittendrin.
Nach diesem Tag sind wir dann aber nur noch ko in unsere Betten gefallen.
25. Juli 2007: Día de Jacobus
Am nächsten morgen ging es dann in die von der UNESCO zum Welkulturerbe erklärten Altstadt, um den Gottesdienst in der Kathedrale zu besuchen. Besonderes Highlight ist der riesige Weihrauchwerfer “botafumeiro” der an Festtagen im Vierungsschiff von starken Männern und Seilen in Gang gesetzt wird und über die Kopfe der Gläubigen hinwegpendelt.
Ich bin nach diesem Event noch ein bisschen durch die Altstadt gebummelt. Ausgehend von der “Plaza de Obradoiro”, an der die Kathedrale liegt und auf der im Herzen der Stadt alle Fäden zusammenlaufen, habe ich ersteinmal den rundum Blick genossen:
Neben der Barockfassade der Kathedrale erhebt sich die neoklassizistische Front des “Pazo de Raxoi”, das königliche Hospital welches heute zum Parador umgebaut ist und das Colegio San Jerónimo.
Danach bin ich durch die Altstadtgassen geschlendert, vorbei an lauschigen Arkadengängen.
Von hier aus haben wir uns gemeinsam aufgemacht durch einen herrlichen Teil Galiciens ans “Kap Fisterra” oder auch wie man früher meinte ans “Ende der Welt“.
Auf unserem Weg, der ebenfalls eine herrliche Küstenstraße entlangführte, haben wir Zwischenstopp in “Noia” eingelegt, ein nettes Städtchen, direkt an einem Meeresarm gelegen mit einer pitoresken historischen Altsadt und einer wunderschönen Kirche.
Nach einem weiteren Stück Fahrt an der Küste entlang kamen wir am Kap an. Der Leuchtturm ist bereits von weitem zu sehen und wir haben einen fantastischen Ausblick genossen über die See und die steilen Flanken des auch “Todesküste” genannten Küstenabschnittes.
Bevor es zurück nach Santiago ging, haben wir dann aber noch einen Halt an einem der schönen Sandstrände auf der anderen Seite der “Todesküste” gemacht und uns ein wenig am Strand in die Sonne gelegt.
Abends saßen wir dann gemütlich beim Abendessen unseres Hostals, das echt ein absoluter Geheimtipp ist!
La Coruna
Bevor wir uns auf den Rückweg nach Madrid gemacht haben haben wir am Donnerstag vormittag nocheinmal die Kathedrale Santiagos besucht, um – wie sich das gehört – einmal am Jakobusgrab vorbeizugehen und danach die Statue des heiligen Jakobus zu umarmen.
Danach ging es auf den Rückweg, auf dem wir allerdings noch einen kleinen Abstecher nach La Coruna – die Hafenstadt mit dem Herkulesturm – gemacht haben. Bereits früher war die Stadt ein bedeutender Hafenstützpunkt und auch heute noch ist La Coruna eine wichtige Hafe- und Industriestadt.
Interessant vor allem die Altstadt mit ihren weitläufigen Promenaden. Hier fand gerade ein schönes Mittelalterfest statt als wir vom Hafen kommend durch die “ciudad cristal” wie die Stadt auf Grund ihrer zahlreichen verglasten Balkone genannt wird, gebummelt sind.
Zum Abschluss waren wir natürlich noch am Herkulesturm, der sich and er zergliederten Nordwestspitze der Halbinsel in der Nähe kleiner Klippen aus dem Wiesengrün erhebt.